Markthalle Silvretta: Making Of





Die Natur der Silvretta ist wunderschön. Das ist einer der Gründe, warum so viele Menschen dort Urlaub machen. Gleichzeitig bringt der Tourismus Gefahren für die Naturlandschaft mit sich, er kann sie schädigen und sogar zerstören.

Das Bewusstsein dafür ist in der Region sehr hoch, und es gibt viele Initiativen, die sich für die Bewahrung der Natur einsetzen. Sie säen ortstypische Pflanzen, züchten alte Tierrassen weiter und betreiben alte Handwerke wie das Käsen oder das Wollfilzen. Vereine wie 'bewusstmontafon' sorgen dafür, das Wissen über den Reichtum der Region an die UrlauberInnen weiterzugegeben und diese ebenfalls zu einem sorgsamen Umgang mit der Natur anzuregen.


Unsere Verantwortung

Wir PlanerInnen haben eine besonders große Verantwortung für das Wohlergehen der Natur. Wir haben es in der Hand, in unseren Bauprojekten die natürlichen Ressourcen klug und nachhaltig einzusetzen. Dazu müssen wir vor allem (wieder) lernen, den ganzen Lebenszyklus der verwendeten Materialien zu betrachten und drauf zu achten, dass sich der Kreislauf von Gewinnung zu Wiederverwertung schließt. Das funktioniert, wenn die Baustoffe entweder nachwachsend und kompostierbar oder recyclingfähig bzw. wiederverwendbar sind.

Deshalb lieben wir Holz. Es wächst nach, lässt sich hervorragend wiederverwenden und hat eine positive CO₂-Bilanz. Im Silvretta-Projekt haben wir für alle Holzoberflächen Altholz verwendet, insgesamt 2,7 Tonnen. Die Wiederverwendung der alten Holzbohlen ist nicht nur besonders ressourcenschonend, sondern ergänzt die Einbauten um eine regionale und historische Dimension: das Holz stammt von alten Häusern aus der Region.

Damit auch die Gestalt der Holzeinbauten auf die regionalen Wurzeln verweist, haben wir sie den typischen alpinen 'Strickbauten' mit ihren überkreuzten Ecken nachempfunden. Im Vorarlberg gibt es Gebäude mit geschlossenen Außenwänden (mit verblatteten Holzlagen) und offene Konstruktionen, bei denen die Holzlagen nur kleine oder gar keine Verblattungen haben. Da unsere Einbauten im geschützten Innenraum stehen, haben wir uns für eine offene Bauweise entschieden, wie sie im Außenraum für z.B. für Ställe verwendet wurde.



Ein glückliches Zusammentreffen

Die Anzahl der verschiedenen Naturmaterialien, die man zum Bauen verwenden kann, ist endlich. Deshalb haben wir uns sehr gefreut, in der Schafwolle ein neues Akustikmaterial zu finden, das noch nachhaltiger ist als Wollfilz. Die Wolle stammt vom Montafoner Steinschaf, einer immer noch vom Aussterben bedrohten Schafrasse, die nur im Montafon zu finden ist. Wenn die Schafe im Sommer auf den Alpwiesen grasen, gehören sie zum typischen Landschaftsbild. Die Bilder von frisch gewaschener Schafwolle, die zum Trocknen über Zäune gehängt ist, inspirierten uns zu den über Ästen gehängten Wollbüscheln, die in der Markthalle für eine gute Akustik sorgen.

Die Wolle haben wir direkt vom Erzeuger, dem Biohof Mathies aus der direkten Nachbarschaft der Markthalle bekommen. Normalerweise wird die Wolle nach dem Scheren zu Filzprodukten weiterverarbeitet. Für unser Projekt musste sie kaum bearbeitet werden; sie ist nur gewaschen und kardiert (gekämmt). Die offenen Wollfasern mit dem hohen Lanolin-Anteil verbessern nicht nur die Raumakustik, sondern filtern Schadstoffe aus der Luft und wirken regulierend auf die Luftfeuchtigkeit.

Der Beginn eines langen Weges

Naturmaterialien zu verwenden, ist ein guter Ansatz, aber nur ein kleiner Schritt auf dem Weg in die Nachhaltigkeit. Wir arbeiten daran, unsere Sammlung nachhaltiger Materialien zu erweitern, stoßen aber auch häufig auf Fragen und Probleme: Muss das Material zur Baustelle weite Strecken zurücklegen? Wie hoch ist der Energiebedarf bei Produktion und Einbau? Ist das Material wirklich recyclingfähig oder ist es nach dem Kontakt mit Imprägnierungen oder Klebstoffen doch nur Sondermüll?

Zur Klärung dieser Fragen arbeiten wir heute enger mit den Produzenten zusammen als früher, was in vielen Fällen sehr bereichernd ist. Aber wir wissen, dass wir noch vieles ändern müssen, um an unser Ziel zu kommen: Bauwerke zu schaffen, die zeitlos sind, lange halten und am Ende ihrer Nutzungsphase die Rohstoffe für neue Bauprojekte liefern können.